





 |
N. Nowack (Zur tiefgreifenden Entwicklungsstörung und verwandten Themen)
(...) Der Vollständigkeit halber wäre noch zu nennen: Das Rett-Syndrom, welches nur bei Mädchen auftritt, zeigt als typisches Merkmal den Verlust zielgerichteter Handbewegungen sowie eine mangelhafte Sprachentwicklung. Es kommt zu recht typischen, stereotypen "händewaschähnlichen" Bewegungen, wobei ein gewisses soziales Interesse meist noch aufrechterhalten wird. Hervorzuheben ist ferner, daß es beim Rett-Syndrom immer zu einer schweren intellektuellen Beeinträchtigung kommt (im Unterschied zum Asperger-Syndrom) und sich häufig auch ein äußerlich erkennbares Merkmal, eine Mikrozephalie, findet. Das Asperger-Syndrom hat eine mildere Symptomatik als der frühkindliche Autimus; es unterscheidet sich in erster Linie durch das Fehlen einer Entwicklungsverzögerung im Bereiche der Sprache oder der kognitiven Entwicklung (...).
(zitiert nach einer Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt, Auszug, von Dr. N. Nowack)
N. Nowack, M. Straczkowski:
Zur geschichtlichen und sozio-kulturellen Entwicklung von Alkoholkonsum und Alkoholkrankheiten
Einleitung Viele Menschen haben genügend Gründe, in den Alkohol zu fliehen, aber nicht jeder wird letztendlich abhängig. Schwierigkeiten mit der Schul - oder Arbeitssituation, Familienprobleme, Orientierungslosigkeit, Ungebundenheit, soziale Isolation fordern heutzutage höhere Fähigkeiten von den Menschen, sich ständig wandelnden Lebensumständen anzupassen und sich dabei dennoch nicht selbst zu verlieren.
Nicht jedem Menschen gelingt es, im Laufe seines Lebens Strategien zu entwickeln, um mit der Fülle dieser Probleme vernünftig umzugehen. Diese Menschen finden "Lösungen", die sie selbst oder andere schädigen. Sie werden arbeitssüchtig, straffällig, körperlich oder psychisch krank. Da der Genuß von Drogen (einschließlich Alkohol) auch mit sozialen Mißständen im Leben der Menschen zusammenhängt und steigt, wenn sich diese verschärfen, ist es nicht verwunderlich, daß Süchte zu allen Zeitaltern von großer Bedeutung waren. Auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR führte die Wiedervereinigung und die damit einhergehende Massenarbeitslosigkeit zu vielen psycho-sozialen Problemen.Häufig versuch(t)en die Menschen diese neuen Unsicherheiten und ihre Ängste mit Alkohol oder anderen Drogen zu kompensieren. So sind z.B. Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit Risikofaktoren für die Entwicklung eines Alkoholismus. Natürlich gab es in der Geschichte auch zahllose Versuche die Trunksucht, den Mißbrauch von Alkohol, einzudämmen. Allerdings blieben diese häufig erfolglos, da der Staat einerseits am Verkauf von Alkohol verdient, andererseits die gesundheitlichen Schädigungen – früher waren es zuweilen ganze "Epidemien" – nicht bewältigen konnte.
Historie Alkohol ist den Menschen seit etwa 8000 Jahren bekannt. Das gilt sowohl für seine schädigende, als auch für seine subjektiv angenehme Wirkung. Klagen über das Trinken und Rauchen reichen ebenfalls bis in alte Kulturen, nach Ägypten, Mesopotamien und China, zurück.
So führten die Ägypter um 2400 v. Chr. das Thema Wein-Mißbrauch mit Darstellungen von betrunkenen Männern und Frauen in die Kunst ein. Auch in den sumerischen Gilgamesch-Epen, die nach 2000 v. Chr. entstanden, wird über Wein und Trunkenheit berichtet. Bereits 2697 v. Chr. wies der chinesische Kaiser Wong – tai in seinen Werken über innere Krankheiten auf die lebensverkürzende Wirkung des Weins hin.
Aber es gab selbst in der Medizingeschichte auch andere Auffassungen, so wurde Alkohol um 1250 ( n. Chr.) unter dem Namen "aqua vitae" (Lebenswasser) als Allheil- und Wundermittel in italienischen Apotheken verkauft.
(Eine therapeutische Indikation für die Gabe von (Äthyl-)Alkohol - dies ist die Alkoholform, die heutzutage in handelsüblichen alkoholischen Getränken enthalten ist - besteht dagegen heute nicht. Eine Ausnahme stellt die therapeutische Gabe von Äthyl-Alkohol (Äthanol) bei einer Vergiftung mit Methyl-Alkohol (Methanol) dar (Gross et al. 1996). Methanol ist ein Lösungsmittel mit ähnlichem Geschmack wie Äthanol, das nach seiner Aufnahme rasch zu schwerwiegenden Vergiftungserscheinungen (wie z.B. Erbrechen, Krämpfen, Sehstörungen bis hin zur Erblindung) und zum Tode führen kann (bei der akuten Intoxikation liegt die tödliche Dosis bei 30 – 50 ml).)
Im 10 JH. Begann König Edgar von England mäßigend auf den Alkoholkonsum seiner Untertanen einzuwirken. Er ließ im Inneren der Krüge sogenannte pegs, Markierungen anbringen, was die Menschen jedoch keineswegs zu einer Einschränkung des Konsums veranlasste. Sie veranstalteten statt dessen eine Art Wetttrinken, "pegdrinking", also ein Trinken von peg zu peg. Die Doppelmoral der herrschenden Klasse zeigte sich zu jener Zeit in der kommerziellen Ausbreitung der Destillerien. Sie boten dem verarmten Adel eine gute Einnahmequelle. Geschäfte mit dem Alkohol und seine moralische Verurteilung existierten gleichzeitig nebeneinander. 1606 wurde Trunksucht in England zum Verbrechen erklärt. Es entwickelte sich der Krankheitsbegriff der Trunksucht. Auch als sich in der ersten Hälfte des 19. JH das Alkoholproblem in England verschärfte, wurde die Produktion nicht eingeschränkt. Es hatte in den vergangenen Jahren nämlich einen Getreideüberschuss gegeben, der durch Brennen gewinnbringend verwertet werden konnte. Jenen Bevölkerungsschichten, denen Getreide als teures Nahrungsmittel nicht zugänglich war, kam es nun in flüssiger Form zu. Doch wurde Armut als Ursache der Trunksucht nicht benannt. Man verdrehte die Tatsachen, indem man sogar behauptete Armut sei die Folge einer verheerenden Gin-Epidemie. Im 17./ 18. Jahrhundert wandelte sich die Trinkkultur. Während Alkohol im Trinker die ganze Spannbreite des Affektverhaltens, seine Lüste und Begierden, hervorgelockt hatte, wandte man sich nun Drogen zu, die Bewusstsein und Verhaltenskontrolle stärkten – also Tee und Kaffee. Diese Drogen repräsentierten die Erhebung des Menschen über das Tier. Bontekoe, ein berühmter niederländischer Arzt, plädierte für den vernunftfördernden Tee und gegen den Alkohol, denn der Mensch sei dazu geschaffen, sich über das Tier zu erheben, ..." weil er ihr Herr ist... weil er Verstand, Sprache und Sinnen hat".
Seit dem letzten Viertel des 19. JH wird Rauschtrinken als zwanghaft angesehen. Der Trinker avancierte langsam zum Kranken.Damals umfassten "therapeutische" Maßnahmen ein breites Spektrum, das von Lohnminderung bis Sterilisation reichte. Obschon hilfebedürftig, da er seine Sucht genauso wenig steuern kann wie jeder andere kranke Mensch seine Störung, lastet dem alkoholkranken Menschen in der öffentlichen Meinung z.T. auch heute noch der Ruf von Willensschwäche oder moralischer Verwerflichkeit an. In der Bundesrepublik Deutschland wird Alkoholismus auch erst seit relativ kurzer Zeit (rechtlich) als Krankheit anerkannt: Erst seit den entsprechenden Urteilen des Bundessozialgerichts aus dem Jahre 1968 und des Bundesarbeitsgerichts von 1983.
Gesunde Menschen können oft nicht nachvollziehen, wie leicht die Grenze zum schädigenden, zum krankhaften Alkoholkonsum überschritten ist. Dazu gehört eine hohe Aufmerksamkeit gegenüber den eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnissen, diese Wahrnehmung der eigenen Grenzen ist vielen Menschen fremd.
Viele epidemiologische Studien der letzten 20 Jahre legen aber nahe, daß ein moderater Alkoholkonsum (etwa das in Frankreich häufig getrunkene "eine Glas Rotwein pro Tag") über einen längeren Zeitraum einen gewissen Schutz vor Arteriosklerose bietet (insbes. über seine Wirkung auf die Blutfette). Doch kann die Grenze zur gesundheitsschädigenden Wirkung des Alkohols nicht scharf gezogen werden.
Auch ein moderater Alkoholgenuß kann daher nicht generell zur Vorbeugung der Arteriosklerose empfohlen werden!
Denn wegen anderer alkoholbedingter (Folge-)Krankheiten wäre eine solche Empfehlung mit unüberschaubaren gesundheitlichen Risiken verbunden (Herrath und Thimme 1999).
Literaturhinweise: Gross, R. et al., Hrsg. (1996): Die Innere Medizin. 9. Aufl., Schattauer, Stuttgart, New York: 1269 - 1272 Herrath, D. v.; W. Thimme, Hrsg., (1999): Fördert Alkohol die Gesundheit? Der Arzneimittelbrief, 33. Jg., Nr. 3: 17 – 19 Schott, H. (2001): Das Alkoholproblem in der Medizingeschichte. Dt. Ärzteblatt, 98, Heft 30: A 1958 - 1962 Toellner, R. (1986): Illustrierte Geschichte der Medizin. Andreas und Andreas Verlagsbuchhandlung, Salzburg
|